Studie

Remanente Wirkstoffe sind auch für chirurgische Händedesinfektion nicht zu empfehlen

Für die hygienische Händedesinfektion werden remanente Substanzen in alkoholischen Händedesinfektionsmitteln seit der im Herbst 2016 erschienenen KRINKO Richtlinie „Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens“ nicht mehr empfohlen. Für die chirurgische Händedesinfektion war der Nutzen remanenter Wirkstoffe zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Richtlinie noch unklar. Eine aktuelle Studie schloss nun diese Lücke.

Remanente Wirkstoffe zeigen in der chirurgischen Händedesinfektion* keine bessere Langzeitwirkung als vergleichbare alkoholische Händedesinfektionsmittel ohne diese Zusatzstoffe. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die 2017 im „Journal of Hospital Infection“ erschienen ist. Als remanente Wirkstoffe gelten Substanzen, die nach dem Abdunsten des Alkohols auf der Haut verbleiben und ihre Wirkung über einen längeren Zeitraum entfalten sollen.

Vergleichbare Langzeitwirksamkeit nach drei Stunden

Für seine Untersuchung verglich Studienautor Prof. Dr. Günter Kampf, Selbstständiger Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, drei Produkte auf Propanolbasis: ein Präparat mit 45% Propan-2-ol und 30% Propan-1-ol ohne remanenten Wirkstoff, eines mit identischer propanolischer Zusammensetzung und zusätzlich 0,2% des remanenten Wirkstoffs Mecetroniumetilsulfat (MES), sowie ein marktführendes Produkt, ebenfalls mit 45 % Propan-2-ol, 30 % Propan-1-ol und 0,2% MES. Alle drei Produkte wurden gemäß der EN 12791 zur chirurgischen Händedesinfektion geprüft.

Bei einer Anwendungsdauer von 1,5 Minuten „gab es keinen signifikanten Unterschied“ zwischen den getesteten Produkten, schreiben die Studienautoren. Alle drei wiesen eine vergleichbare Langzeitwirksamkeit nach drei Stunden unter dem sterilen OP-Handschuh auf.

Mit fehlendem Nutzen wiegen mögliche Risiken deutlich schwerer

Kampf untersuchte in einer ebenfalls 2017 im Journal of Hospital Infection veröffentlichten Übersichtsarbeit, ob Wirkstoffe wie Chlorhexidin (CHG), MES oder Orthophenylphenol (OPP) einen zusätzlichen Nutzen für die Langzeitwirkung bringen: In ihr bewertet er alle veröffentlichten Daten zur chirurgischen Händedesinfektion nach EN 12791 mit alkoholischen Händedesinfektionsmitteln, die die genannten Remanenzwirkstoffe enthalten. Zwei Datensätze analysierten alkoholische Präparate, die 0,5% oder 1% CHG enthielten. 23 Datensätze befassten sich mit propanolischen Desinfektionsmitteln, die 0,2% MES enthielten.

Bei keinem konnte eine verbesserte Langzeitwirkung nachgewiesen werden, wenn die Anwendung eine Minute, anderthalb Minuten oder zwei Minuten dauerte. Erst nach einer Anwendungszeit von drei Minuten zeigte sich in drei von sieben Datensätzen eine bessere Langzeitwirkung. Auch ein ethanolisches Präparat mit 0,1% OPP konnte nach einer Anwendung von 1,5 Minuten keine verbesserte Langzeitwirkung erzielen.

Die Auswertung zeigt: Angesichts der heute üblichen Anwendungszeit von 1,5 Minuten besitzt keines der Händedesinfektionsmittel einen überlegenen Langzeiteffekt für die chirurgische Händedesinfektion. Mit dem fehlenden Nutzen wiegen auch mögliche Risiken deutlich schwerer. Für CHG beispielsweise wurde ein erhöhtes Risiko für erworbene bakterielle Resistenzen, Hautirritationen und anaphylaktische Reaktionen beschrieben. „Diese möglichen Nebenwirkungen sollten bei täglichem, mehrfachen Gebrauch der Händedesinfektionsmittel nicht unterschätzt werden“, erläutert Prof. Kampf. Aufgrund der neuen Erkenntnisse über die Wirksamkeit remanenter Wirkstoffe in der chirurgischen Händedesinfektion sollten aus heutiger Sicht vorzugsweise Produkte ohne remanente Wirkstoffe eingesetzt werden.

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Weiterführende Informationen

  1. DOSCH-Symposium: Neueste Erkenntnisse zur Händedesinfektion:
    Kein zusätzlicher Nutzen von remanent wirksamen Wirkstoffen in der chirurgischen Händedesinfektion, Lohmann & Rauscher



    *kommerzieller Produkthinweis



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