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Studie auf Intensivstation: Händehygiene auch für Patienten wichtig

Surveillance System KISS auf Intensivstationen

Händehygiene kann Leben retten: Was für das medizinische Personal heute Basiswissen ist, könnte in Zukunft auch für Patienten und ihre Angehörigen selbstverständlich sein. Denn saubere – also keimfreie – Hände können nosokomiale Infektionen verhindern. Forscher aus den USA haben auf den Händen von Intensivpatienten nach relevanten Krankheitserregern gesucht. Unter den identifizierten Erregern fanden sich auch mehrere multiresistente Organismen.

Der Kampf gegen nosokomiale Infektionen hört nicht bei den Händen von Ärzten, Pflegern und Therapeuten auf, sondern geht bei den Händen der Patienten weiter. Mehrere Studien haben bereits die Kontamination von Patientenhänden mit pathogenen Erregern unter die Lupe genommen. Forscher am Cleveland Clinic Lerner College of Medicine in Ohio haben sich in ihren Untersuchungen nun auf Patienten einer Intensivstation konzentriert: Sie wollten wissen, welche Krankheitserreger und vor allem multiresistente Organismen sich auf deren Handinnenflächen tummeln.1

Multiresistente Organismen im Handabdruck gefunden

Dafür nahmen sie innerhalb von zehn Wochen von 56 Intensivpatienten Handabdrücke auf speziell präparierten Agarplatten und inkubierten diese für ca. 24 Stunden. 47 der 56 Patienten wiesen eine normale Hautflora auf. Bei den anderen neun war jedoch mindestens ein Pathogen auf der Handinnenfläche nachweisbar, bei vier von ihnen handelte es sich um mindestens einen multiresistenten Organismus: zweimal erfolgte der Nachweis für MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus), einmal für VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken).

Insgesamt war die Kontamination mit multiresistenten Organismen niedriger als in vorangegangenen Studien zum Thema Patientenhände. Die Forscher führten das auf die spezielle Umgebung und Keimbekämpfung auf Intensivstationen zurück, in denen die Oberflächen von Gegenständen und medizinischen Geräten vermehrt desinfiziert werden.

Patientenhände beim Thema “Saubere Hände” bisher vernachlässigt?

Dennoch bleibt laut den Studienautoren das Thema Patientenhände im Kontext der Händehygiene im Gesundheitswesen generell wichtig, finde sich aktuell aber noch nicht so in den Handlungsempfehlungen wieder. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa gibt bisher keine Empfehlungen zum Thema Patientenhände heraus. Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) hingegen liefern eine detaillierte Anleitung zur Händehygiene für Patienten. Eine Veröffentlichung des Robert-Koch-Instituts (RKI) zum Thema bestätigt die Wissenslücke auf Patientenseite: Es fehle oft an Wissen über die Händedesinfektion – also Details über Desinfektionsmaßnahmen beim Personal ebenso wie notwendige Schutzmaßnahmen bei den Patienten selbst.

Die “Aktion Saubere Hände” (ASH) bemüht sich deshalb auch, Patienten vermehrt anzusprechen und einzubinden. Dabei sind die Beteiligung der Patienten und der Dialog zwischen dem medizinischen Personal und den Patienten wesentlich, um die Patientensicherheit zu gewährleisten. So wie es für Patienten bereits selbstverständlich ist, Nachfragen in Bezug auf die Medikation zu stellen, sei dies auch für Fragen der Händehygiene erwünscht. Der Patient solle sich als Teil des Teams fühlen und offen über die Händedesinfektion sprechen.

WEITERE INFORMATIONEN

  1. Multidrug-resistant organisms on patients hands in an ICU setting, Dunn et al., Infection Control & Hospital Epidemiology, abgerufen am 8. April 2020
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