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Bakterien in Krankenhaus-Waschbecken: Wie Abflussrohre krank machen können

Kontaminierte Waschbecken
Kontaminierte Waschbecken

Die Gestaltung des Waschbeckens ist ein häufig unterschätzter Faktor, wenn es um das Vorkommen von Bakterien, vor allem im klinischen Umfeld, geht. Doch eine neue Studie aus dem Vereinigten Königreich solle dies nun ändern: Die Ergebnisse zeigen, wie Bakterien in Krankenhaus-Waschbecken wachsen und sich ausbreiten – und bestätigen, wie wichtig das Bewusstsein für Hygiene sowie Hygiene-Maßnahmen sind.

Durch diese Studie werden Sie Waschbecken und deren Umgebung mit anderen Augen sehen: Denn in einer neu veröffentlichten Publikation im The Journal of Hospital Infection, konnte ein britisches Forscherteam nachweisen, dass sich Carbapenem-resistente Enterobacteriaceae (CRE, oder Carbapenemase-produzierende Enterobacteriaceae(CPE)) nicht nur im Waschbecken, sondern auch auf Oberflächen rund um das Waschbecken befinden. Grund hierfür ist, dass die Bakterien durch den Rückstau in der Leitung von den kontaminierten Rohren in die Waschbecken zurückgelangen können. Von dort werden die Erreger dann durch Wasserspritzer beim Waschen weiter verteilt, weiter als man denkt.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist bereits bekannt, dass Krankenhaus-Waschbecken und Abflüsse die langfristige Überlebensfähigkeit von multi-resistenten Enterobacteriaceae und anderen Gram-negativen Organismen fördern können. Mittlerweile wurde jedoch festgestellt, dass Waschbecken, Abflüsse und Siphons oft identische oder sehr ähnliche CRE-Stämme beherbergen, wie sie auch bei infizierten Patienten gefunden wurden. Daraus schlussfolgern verschiedene Studien, dass diese Umweltreservoire eine Quelle für die Kolonisation und Infektion von Patienten mit CRE darstellen oder dort auch zwischen Ausbrüchen bei Patienten überdauern können.

Wie verbreiten sich CRE von Krankenhaus-Waschbecken aus?

Das Forscherteam aus dem Vereinigten Königreich, unter der Leitung von Dr. Paz Aranega-Bou von Public Health England, untersuchte zwei Faktoren für die Ausbreitung von CRE aus Waschbecken: die Position des Abflusses bezogen auf die Position des Wasserhahns und wie schnell das Wasser abfließt. Um die Faktoren genauer zu untersuchen, stellte das Team die Gegebenheiten, wie sie in vielen modernen Gesundheitseinrichtungen vorkommen, mit einem großen Waschbecken-Modell nach. Der Siphon des Modells wurde mit CRE aus einem Krankenhaus kolonisiert. Die Forscher betrachteten auch die Möglichkeit, dass Bakterien aus Krankenhaus-Waschbecken mit Hilfe von Luftprobenahmegeräten und/oder Sedimentationsplatten verbreitet werden können.

Besseres Design = Mehr Gesundheit?

Die Wissenschaftler bestätigten die Vermutung, dass Schwachstellen im Waschbecken-Design gesundheitliche Folgen haben können: Langsame Abflussgeschwindigkeiten und eine Konstruktion mit dem Abfluss direkt unter dem Hahn erhöhen das Risiko für CRE im Siphon und Abfluss, und somit das Risiko für eine Kontamination der Krankenstation. Die höchste Konzentration der Bakterien wurde auf den Oberflächen gemessen, die in unmittelbarer Umgebung des Waschbeckens waren – hier ist das Risiko einer Kreuzkontamination am größten. Außerdem konnten die Forscher einen weiteren entscheidenden Faktor nachweisen: CRE-kontaminierte Wassertropfen können vom Waschbecken aus bis zu einem Meter weit verteilt werden. Diese Möglichkeit sollte man vor allem bei der Raumgestaltung – ob für Patienten oder zu Lagerzwecken – in Krankenhäusern beachten, empfehlen die Forscher. Auch wenn Rückstauventile dabei helfen können, die Ausbreitung der Bakterien zu verhindern, ist eine angemessene Nutzung des Waschbeckens und die regelmäßige Wartung der Wasser- und Abflusssysteme unerlässlich.

Auch wenn es sich hierbei nur um vorläufige Ergebnisse handelt, wird klar, wie wichtig ein umfassendes Hygienekonzept, einschließlich Oberflächen- und Händedesinfektion ist. Mindestens zwei Faktoren müssen hierbei berücksichtigt werden: das klinische Design – von Sanitäranlagen und Spülbecken, bis hin zu den Oberflächen um sie herum – sowie das Verhalten der Menschen, die dort agieren. Medizinisches Personal, Mitarbeiter, Patienten und Besucher müssen sich einer möglichen bakteriellen Kontamination in den Krankenhaus-Waschbecken bewusst sein, um die Oberflächen- und Händehygiene zu verbessern. Alles in allem bestätigt die Studie, dass ein umfassendes Hygienekonzept die Gefahr der Kontamination stark reduzieren kann. Denn Krankheitserreger lauern auch da, wo man sie am wenigsten erwartet.

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