Poliovirus

Polioviren
Poliovirus

Was ist das Poliovirus?

Polioviren sind sphärische, unbehüllte RNA-Viren und gehören zur Familie der Picornaviren und zur der Gattung Enteroviren. Zu dieser Gattung zählt zum Beispiel auch das Hepatitis-A-Virus. Karl Landsteiner und Erwin Popper (1908) gelten als Entdecker des Poliovirus. 1981 wurde das virale Genom sequenziert, was bei der Erforschung von Zusammenhängen von Poliomyelitisfällen hilfreich war. Demnach unterscheidet man zwischen drei Typen von Polioviren (Typ 1, 2, 3).

Insgesamt gelten Polioviren als sehr resistent (sowohl gegen lipidlösliche Mittel wie Äther, Chloroform und Detergenzien als auch gegen eine Vielzahl von proteolytischen Enzymen im menschlichen Körper). Polioviren waren vor Einführung der Polio-Impfung 1988 weltweit verbreitet. Mittlerweile leben 80% der Menschen in poliofreien Gebieten.

Wir wird das Poliovirus übertragen?

In der Regel wird das Poliovirus mittels direkten oder indirekten Kontakts mit kontaminierten Personen oder Oberflächen fäkal-oral durch eine sogenannte Schmierinfektion übertragen. Es kann jedoch kurz nach der Infektion auch aerogen (in der Luft) übertragen werden. Bereits kurz nach der Infektion mit dem Virus vermehrt sich dieses massiv in den Epithelien, die im Darm ausgeschieden werden. Die Inkubationszeit beträgt 3 bis 35 Tage.

Wie äußert sich die Erkrankung?

Die Poliomyelitis, kurz Polio, auf Deutsch häufig auch Kinderlähmung genannt, ist eine von Polioviren vorwiegend im Kindesalter hervorgerufene Infektionskrankheit. 95% der Infektionen verlaufen asymptomatisch, bei 5% der Infizierten kommt es bei einer leicht verlaufenden Poliomyelitis zu kurzzeitigen Symptomen wie Fieber, Übelkeit Halsschmerzen, Kopfschmerzen oder zu einer Gastroenteritis. Befällt das Virus das zentrale Nervensystem, kann dies für den Betroffenen schwerwiegende Folgen haben und zum Beispiel Lähmungen hervorrufen.

Dabei unterscheidet man zwischen drei gravierenden Verlaufsformen:
(1) Bei einer nichtparalytischen Poliomyelitis (aseptische Meningitis, betrifft 2 bis 4% der Fälle) kann es zu Fieber, Nackensteifigkeit, Rückenschmerzen oder Muskelspasmen kommen.
(2) Eine paralytische Poliomyelitis (betrifft 0,1 bis 1% der Fälle) ruft neben Rücken-, Nacken- und Muskelschmerzen auch Paralysen hervor. Diese motorischen Schwächen/Lähmungen treten asymmetrisch auf und betreffen meist Bein-, Arm-, Bauch-, Thorax- und Augenmuskeln.
(3) Das Postpolio-Syndrom tritt Jahre oder Jahrzehnte nach der Erkrankung auf und kann ebenfalls zu Paralysen und Muskelschwund führen.

Da es keine spezifischen antiviralen Mittel gegen Polio gibt, wird lediglich symptomatisch behandelt. Bei schweren Verlaufsformen erfolgt ggf. eine länger andauernde orthopädische oder physiologische Therapie. Experten empfehlen eine Polio-Impfung bereits in jungen Jahren, um Komplikationen vorzubeugen, die aus Poliovirus-Infektionen resultieren können.

Bedeutung für Infektionen in Krankenhäusern und im ambulanten Bereich

Bei einem klinischen oder labordiagnostischen Verdacht auf Poliomyelitis muss eine sofortige Krankenhauseinweisung erfolgen. Die strikt notwendigen Hygienemaßnahmen umfassen Isolierung, Händedesinfektion mit viruziden Händedesinfektionsmitteln, Barrieremaßnahmen (Tragen von Schutzkittel, Handschuhen), sowie die Schlussdesinfektion mit viruziden Desinfektionsmitteln. Der Krankheitsverdacht, die Erkrankung und der Tod an Poliomyelitis muss dem Gesundheitsamt innerhalb von 24 Stunden gemeldet werden.

Überlebensdauer der Erreger auf unbelebten Oberflächen

Poliovirus Typ 1: 4 Stunden – 8 Tage

Poliovirus Typ 2: 1 Tag – 8 Wochen

Desinfektionsmittelwirksamkeit zur Prävention

Das benötigte Wirkspektrum gegen Polioviren ist: viruzid.

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