Infektionen verhindern

Händehygiene: Wie standardisierte Prozesse die Compliance erhöhen

Die Händehygiene gilt als das wirksamste Mittel zur Reduzierung von nosokomialen Infektionen, wie beispielsweise Surgical Site Infections. Um Personal und Patienten vor Infektionen zu schützen, ist es notwendig, standardisierte Händedesinfektionsprozesse in Gesundheitseinrichtungen einzuführen und eine hohe Compliance unter Ärzten und Pflegepersonal zu gewährleisten.

Schon Kinder lernen, dass Händewaschen wichtig ist. Doch Hände richtig zu desinfizieren bleibt auch für viele Erwachsene schwierig – das gilt ebenso für medizinisches Fachpersonal. Es erscheint wie eine banale Lösung, um die Ausbreitung von Bakterien zu verhindern, ist allerdings extrem effektiv. Die Händehygiene hat einen enormen Einfluss auf die Patientensicherheit und die Infektionskontrolle in Gesundheitseinrichtungen. Die Hände von Pflegepersonal können durch direkten Patientenkontakt, aber auch durch Berühren kontaminierter Oberflächen im patientennahen Umfeld oder durch Berühren einer verunreinigten Infusionsflasche kontaminiert werden. Eine Studie von Clack et al. ergab, dass während der Patientenversorgung und -behandlung im Durchschnitt alle 4,2 Sekunden ein Kontakt stattfindet – und alle zwei Minuten kommt es zu einer Berührung, die ein Infektionsrisiko birgt. Wenn das Pflegepersonal die Vorgaben zur Händehygiene nicht strikt befolgt, können Mikroben wie Klebsiella, Staphylococcus, Clostridioides oder auch multiresistente Bakterien auf die Patienten übertragen werden und therapieassoziierte Infektionen hervorrufen. Die Folgen sind längere Krankenhausaufenthalte, höhere wirtschaftliche Kosten und leider manchmal sogar der Tod des Patienten. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation könnten 30 Prozent der HAI durch wirksame Maßnahmen zur Infektionsprävention und -kontrolle verhindert werden. Die Händehygiene ist ein Kernbestandteil und ein wichtiger Schritt dieser Maßnahmen1. Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass Verbesserungen bei der Einhaltung der Händehygiene die Häufigkeit von HAI2 deutlich reduzieren können. Selbst die technologisch fortschrittlichsten oder computergestützten Operationen bieten für die Patienten keine Vorteile, wenn sie zu Komplikationen durch Link noch nicht final führen. Basierend auf den Erkenntnissen aus ihren Untersuchungen veröffentlichte die WHO 2009 Leitlinien zur Händehygiene im Gesundheitswesen, insbesondere für medizinisches Personal. Seitdem hat die Organisation mehrere Kampagnen gestartet, um das Bewusstsein zu fördern und das Verständnis für die Bedeutung der Händehygiene zu verbessern.1 Seit Januar 2019 führt die WHO eine Umfrage zur Infektionsverhütung und -bekämpfung sowie zur Händehygiene durch, um neue Daten über die aktuelle Situation zu sammeln und zukünftige Maßnahmen zu verbessern3 – das zeigt, dass noch viel zu tun ist.

Multimodale Händehygienestrategien mit einem Ziel

Damit Händehygienemaßnahmen wirksam sind, bedarf es einer hohen Disziplin. Auch wenn sich die Mitarbeiter im Gesundheitswesen der Bedeutung der Händehygiene bewusst sind, sind oft große und andauernde Anstrengungen nötig, um ihr Verhalten zu ändern. Da der Mensch die Bakterien an seinen Händen nicht sehen kann, vergisst er oft, sie zu desinfizieren. Mehrere Studien zeigen, dass die Einhaltung der WHO-Richtlinien zur Händehygiene in der Regel etwa 50 bis 60 Prozent beträgt.4 Um die Compliance zu verbessern, ist die Anwendung multimodaler Strategien ein wirksames Instrument.5 Dabei werden mehrere Maßnahmen kombiniert, um eine positive Verhaltensänderung zu erreichen – damit die Händehygiene so selbstverständlich wie das Anlegen eines Sicherheitsgurts im Auto wird.

Als die WHO vor zehn Jahren zum ersten Mal ihre Leitlinien zur Händehygiene im Gesundheitswesen veröffentlichte1, definierten Spezialisten fünf Schlüsselmomente multimodalen Strategien. "Meine 5 Momente der Händehygiene" ist eine hochwirksame Möglichkeit, komplexe Arbeitsprozesse zu synchronisieren und zu standardisieren, um das Pflegepersonal bei der Händehygiene zu unterstützen. Ein wichtiger Faktor dabei ist die Änderung der Rahmenbedingungen, um sicherzustellen, dass die jeweilige Einrichtung über die nötige Infrastruktur verfügt: Beispielsweise genügend optisch ansprechende Desinfektionsmittelspender, die an wichtigen Orten für die Händehygiene platziert sind. Einfacher Zugang zu Desinfektionsmitteln* schafft ein effizientes Multibarrieresystem in einem Krankenhaus. Tatsächlich gewährleistet die Verfügbarkeit von Desinfektionsmittelspender am Point of Care den Zugang und erleichtert die Händehygiene, was zu einer erhöhten Compliance führt 6. Um das Verhalten zu ändern und neue Gewohnheiten zu schaffen, sind auch Aus- und Weiterbildung sehr wichtig.

Woher wissen Sie, dass Maßnahmen zur Erhöhung der Händehygiene wirklich funktionieren? Um die Auswirkungen neuer Prozesse zu ermitteln, sollten Überwachung und regelmäßige Evaluationen Teil der Strategie sein. Gedächtnisstützen am Arbeitsplatz, wie Poster und Taschenbroschüren, sind wirksame Werkzeuge zur Verbesserung der Compliance. Darüber hinaus ist das Arbeitsklima am jeweiligen Institut entscheidend dafür, dass die Motivation aufrechterhalten und hohe Standards eingehalten werden. Leitende Angestellte sind Vorbilder für jüngere Mitarbeiter – sie sollten die fünf Momente der Händehygiene stets demonstrieren. In diesem Zusammenhang sind nationale Leitlinien nötig, um Verbesserungen in Gesundheitseinrichtungen zu erreichen.

Motivation ist wichtig…..

Mehrere Studien haben die Wirksamkeit standardisierter Prozesse bei der Prävention von nosokomialen Infektionen untersucht. Im Jahr 2008 wurde am Memorial Sloan-Kettering Cancer Centre in New York eine neue Herangehensweise an das Thema Händehygiene eingeführt. Dafür wurden kleine interdisziplinäre Teams gebildet, deren Aufgabe es war, neue Arbeitsabläufe für die tägliche Händehygiene auf Grundlage der "5 Momente" der WHO zu entwerfen und umzusetzen. Zuerst begannen die Teams damit , die aktuellen Hindernisse für den Erfolg der Händehygiene zu sammeln. Im nächsten Schritt sollten sie eigene Ziele für die Einhaltung der Händehygiene definieren. Anhand der WHO-Richtlinien erstellten die interdisziplinären Teams detaillierte Arbeitsabläufe für einige ihrer häufigsten Aufgaben in der Patientenversorgung. Auf diese Weise haben sie die allgemeinen Richtlinien in ihr eigenes Arbeitsumfeld "übersetzt". Immer wenn die Durchführung der Händehygiene nötig war, wurde der Arbeitsschritt mit einer Nummer gekennzeichnet, die einem oder mehreren der fünf Momente der WHO entspricht (vor dem Berühren eines Patienten, vor aseptischen Eingriffen, nach der Exposition gegenüber Körperflüssigkeiten, nach dem Berühren eines Patienten und nach Kontakt mit der Patientenumgebung). Die Compliance, die vorher bei 60 bis 70 Prozent lag, stieg bis zum Ende des Studienzeitraums auf 97 Prozent – und blieb dann konstant (Son C et al, 2011 7). Laut mehreren internationalen Berichten ist die Motivation der Mitarbeiter ein entscheidender Faktor zur Aufrechterhaltung einer so hohen Compliance. Eine Kombination aus Weiterbildungsmaßnahmen, klaren Zielen und Feedback hat sich als optimal erwiesen, um Mitarbeiter im Gesundheitswesen zur Einhaltung der Richtlinien zu ermutigen (Chatfield SL et al, 20178). Positive Anreize können helfen, die Kultur zu verändern und lebensrettende Händehygiene zum Standard zu machen.

Die Kombination ist der Schlüssel!

Manchmal reichen jedoch strukturelle Veränderungen, Aufklärung und Sensibilisierung nicht aus, um Mitarbeiter dazu zu bringen, Vorgaben zur Händehygiene einzuhalten. Daher sind Kontrollen und regelmäßige Evaluation erforderlich, um die Einhaltung der Vorschriften zu sichern9. Direkte Beobachtung und Coaching vor Ort durch geschulte Ausbilder sind hier der Goldstandard. Auch elektronische Systeme können die Beobachtung vereinfachen, wertvolle Daten sammeln und zusätzliche Informationen liefern. Patienten können ebenfalls in die Rückkopplungsschleife aufgenommen und so in die Händehygiene aktiv eingebunden werden. So ermutigt eine neue Kampagne in den USA Patienten und deren Besucher, Ärzte und Krankenschwestern zu fragen, ob sie ihre Hände gereinigt haben.

Neben sich ändernden Prozessen kann die Verbesserung von Hygieneproduktrezepturen ein zusätzlicher Compliance-Trigger sein. Eine Möglichkeit ist, verbleibende antiseptische Wirkstoffe, die ein Risiko für die menschliche Gesundheit und die Umwelt darstellen, zu minimieren. Für die hygienische Händedesinfektion sind alkoholische Händedesinfektionsmittel mit Remanenzwirkstoffen nicht mehr empfohlen.10 Studienergebnisse zeigen nun außerdem, dass Remanenzwirkstoffe auch in der chirurgische Händedesinfektion keinen Mehrwert bieten.11 Grundsätzlich sollten Händedesinfektionsmittel schonend, gut verträglich und ohne negative Auswirkungen auf die Hautgesundheit sein.12 Die richtige Auswahl der Inhaltsstoffe ist ein Schlüssel für die Herstellung von Produkten, die die Einhaltung der Händehygiene fördern.

Viele Faktoren beeinflussen die Händehygiene. Deswegen gibt es nicht nur eine einzige Lösung für das Problem. Multimodale Strategien und verschiedene Ansätze, wie die WHO First Global Patient Safety Challenge "Clean Care is Safer Care", sind wirksame Maßnahmen zur Förderung und Verbesserung der Händehygienestandards und -praktiken. Jede Maßnahme hilft dabei, den einfachen Griff zum Spender zu einer instinktiven Handlung zu machen.

Weitere Informationen
  1. WHO Guidelines on Hand Hygiene in Health Care, WHO
  2. Evidence of hand hygiene as the building block for infection prevention and control, WHO Global Infection Prevention and Control Unit
  3. WHO Global Survey on Infection Prevention and Control (IPC) and Hand Hygiene 2019, WHO
  4. Link noch nicht final, Thomas van Lengerke et al., Deutsches Ärtzeblatt International
  5. Guidelines on Core Components of Infection Prevention and Control Programmes, WHO
  6. Provision and consumption of alcohol-based hand rubs in European hospitals, Hansen S. et al, Clinical microbiology and infection
  7. Practically speaking: Rethinking hand hygiene improvement programs in health care settings, Son C et al., American Journal of Infection Control
  8. Hand hygiene among healthcare workers: A qualitative meta summary using the GRADE-CERQual process, Chatfield SL et al., Journal of Infection Prevention
  9. Electronic monitoring in combination with direct observation as a means to significantly improve hand hygiene compliance, John M Boyce, American Journal of Infection Control
  10. Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens, Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut (RKI)
  11. Lack of antimicrobial efficacy of mecetronium etilsulfate in propanol-based hand rubs for surgical hand disinfection, G Kampf, Journal of hospital infection
  12. Guide to Local Production: WHO-recommended Handrub Formulations, WHO



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